Drones4Bats untersuchte den Einsatz von Drohnen als ergänzende Methode zum Fledermausmonitoring an Windenergieanlagen (WEA) vor und nach deren Bau. Dabei wurden nicht nur drohnenbasierende Erfassungssysteme entwickelt und ihre technische Einsatzfähigkeit geprüft. Auch wurde der Einfluss von Drohnen auf die Fledermausaktivität erforscht und ein Vergleich mit herkömmlichen Erfassungsmethoden vorgenommen.
Aufgrund der begrenzten Reichweite akustischer Fledermauserfassungsverfahren existieren bei Standortentscheidungen und Abschaltalgorithmen von WEA Unsicherheiten über die Fledermausaktivität im Rotorbereich. Dies kann durch artenschutzrechtliche Klagen zu Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren oder reduzierten Windenergieerträgen durch Abschaltungen führen. Drones4Bats sammelte daher mit dem Einsatz von Erfassungsdrohnen Daten zur Fledermausaktivität in Rotorhöhe und verglich diese mit der mobilen akustischen Erfassung am Boden durch Gutachter vor dem Bau sowie mit dem akustischen Gondelmonitoring nach der Inbetriebnahme einer Anlage.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Fledermausaktivität beim Vergleich mit einer Kontrollgruppe ohne Drohnenflug tendenziell abnimmt, jedoch abhängig vom Drohnentyp und der Entfernung zur Störquelle (Drohne) ist. Während eine hybride Drohne, welche hauptsächlich mit Helium den Auftrieb erlangt) keinen Einfluss hatte, führte ein größerer Multikopter zu einer Reduktion der Aktivität. Nach mehr als hundert Testflügen konnte festgestellt werden, dass ein relativ leichter aber flugstabiler Multikopter mit Seilwinde am besten geeignet ist, da er das akustische Erfassungsgerät in angemessener Entfernung zum Fluggerät positionieren kann. Eine angemessene Entfernung kann vom Geräuschemissionsprofil der Drohne abgeleitet werden und beträgt meist bis zu 16 Meter. Die hybride Drohne erwies sich aufgrund ihrer Windanfälligkeit als weniger geeignet.
Der Vergleich mit herkömmlichen Erfassungsmethoden ergab, dass der Einsatz von Drohnen vor dem Bau einer WEA empfohlen wird. In diesem Szenario überwiegt der Erkenntnisgewinn im Artenschutz relativ zu den Kosten, da die Fledermausaktivität im Gefährdungsbereich deutlich präziser eingeschätzt und aussagekräftigere Gutachten erstellt werden können. Der Einsatz nach dem Bau erwies sich zwar als erfolgreich in Bezug auf die Erfassung neuer Daten – etwa zur Fledermausaktivität im oberen Rotordurchgang auf bis zu 180 Metern, wo das Gondelmonitoring keine Aktivität detektieren kann. Allerdings gibt es derzeit mehrere Hürden, die eine breite Anwendung unattraktiv machen. Dazu zählen hohe Wartungskosten, der erforderliche technologische Aufwand für einen vollautonomen Dauerbetrieb, gesetzliche Einschränkungen, die einen autonomen Betrieb derzeit nicht erlauben, sowie die Herausforderung die sich schnell bewegenden Rotorblätter sicher zu erfassen.
Insgesamt war Drones4Bats erfolgreich bei der Entwicklung und Validierung einer Erfassungsdrohne. Besonders vor dem Bau einer WEA kann ihr Einsatz effektiv und niedrigschwellig zur besseren Datenerhebung beitragen und so eine fundiertere Entscheidungsgrundlage für den Artenschutz schaffen.
Autoren: Marc Roswag, Prof. Dr. Tessa Taefi